Alien: Isolation

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copyright SEGA

erhältlich für: PS3, PS4, XBOX360, XBOX ONE, PC

veröffentlicht: Oktober 2014

Freigabe: USK 16 / ungekürzt

Als 1979 der Sci-fi Schocker Alien in die Kinos kam, dachten wohl selbst die Macher kaum, dass selbst 35 Jahre später sich noch irgend jemand mit diesem Thema hinter dem Ofen hervorlocken lässt. Falsch gedacht. Denn The Creative Assembly (Total War) hat, nach dem vollkommen missglückten Versuch „Aliens: Colonial Marines“, gezeigt dass man doch noch ein grandioses Spiel um das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt kreieren kann.

15 Jahre nach den Geschehnissen an Bord des Raumfrachters Nostromo, sucht Ellen Ripley’s Tochter Amanda ihre Mutter. Amanda verschlägt es auf den Handelsposten Sevastopol, am Rande des Weltraums. Dort versucht sie Informationen bezüglich des mysteriösen Verschwindens ihrer Mutter zu erhalten. Neben vielen Informationen erhält sie aber besonders eines: Angst und Misstrauen der dort lebenden Menschen. Denn jeder ist dort inzwischen entweder zum Einzelkämpfer mutiert oder kämpft in kleinen Gruppen gegen andere Beteiligte. Und genau hier setzt das Game an. Amanda erwacht nach langer Reise auf Sevastopol aus dem Kälteschlaf. Schon bald bemerkt sie das hier etwas nicht stimmt. Die riesige Station ist heruntergekommen, vieles ist zerstört. Warnungen zieren Türen und Wände der Station. Doch nicht nur die dort lebenden Bewohner sind eine Gefahr für Amanda, auch Androiden, Militär und eben auch die ausserirdische Missgeburt verlangen Amanda, sprich dem Gamer, alles ab.

Ihr steuert Amanda in der Ego-Perspektive durch die Station Sevastopol und findet dabei auf eurem Weg alles mögliche. Sind es zu Beginn noch bescheidene Items wie eine Leuchtfackel oder diverses Zubehör, so fallen euch schon bald Baupläne und Waffen in die Hände. Aus dem Zubehör bastelt Ihr Medikits, Rauch- und Rohrbomben oder Geräuschemacher um den Weg freizumachen.

In brenzligen Situationen versteckt Ihr euch in Schränken oder kriecht mal schnell unter den Tisch oder unter ein Krankenbett. Und genau das sollte man sehr oft machen. Denn hinter jeder Ecke könnte eine potenzielle Gefahr lauern. Das Spiel mal schnell durchzuspurten wird niemals gelingen. Das Alien reagiert sehr empfindlich auf Geräusche und steht in null Komma nix vor euch und sorgt für einen schnellen Tod. Also ist schleichen angesagt, was allerdings den Nachteil hat, dass man recht langsam unterwegs ist. Dafür findet man auf dem Weg zum Ziel jede Menge Items in kleinen Koffern, Schränken und bei Toten, welche man ausplündern kann.

Alien: Isolation ist ein knallharter Survival-Schocker. Ohne sich eine Taktik zurechtzulegen wird man das Ende der Mission kaum erreichen. Spätestens ab Mission 5 (18 hat das Spiel insgesamt) steigt der Frustfaktor. Das Vieh scheint einfach überall zu sein. Einen Level unbeschadet zu überstehen ist kaum möglich. Brutal sind die Speichermöglichkeiten. Bis auf den letzten Level gibt es keine automatische Speicherfunktion. Immer wieder muss man sich einen Emergency Apparat suchen, die an den Wänden hängen, um Manuell abzuspeichern. Was eine Hölle! Es gibt Missionen da wird man förmlich wahnsinnig, weil eine endlose Zeit kein Speicherplatz kommt. Wenn man sich aber an diesen Umstand gewöhnt hat, weiß man damit umzugehen und findet im Verlauf des Games immer mehr Freude an genau dieser harten Herausforderung.

Technisch ist das Spiel eine Granate. Die optische Darstellung der Raumstation ist derart gut gelungen, man kann sich gar nicht satt genug sehen. Ich musste immer mal wieder anhalten, um den Blick aus den Fenstern auf den Gasplaneten oder die unzähligen Eruptionen auf der Sonne zu genießen. Die Entwickler haben dem Spiel eine unglaubliche Vielfalt an optischen Details spendiert und sich streng an die Vorlage des Alien Films von 1979 gehalten.

Genau dieser unverkennbare Look macht dieses Spiel so einzigartig. Fans des Films werden begeistert sein. Es gibt die gleichen Röhrenmonitore und Tastaturen wie damals auf der Nostromo und auch die Gänge, die Türen und die Beleuchtung sind dem ersten Alienfilm perfekt nachempfunden. Aber auch audiovisuell haben sich die Entwickler streng an die Vorlage gehalten. Der Alarm, der Sound (wenn die durch Druckluft beweglichen Türen sich öffnen und schliessen) wurde 1:1 nachgebildet. Für mich als absolutes Highlight: Der traumhaft komponierte Soundtrack von Jerry Goldsmith, welche auch hier immer mal wieder zum Einsatz kommt.

Nach spielen der ersten beiden Missionen stand ich dem Geschehen sehr kritisch gegenüber. Ich fand es zu Beginn sehr träge und habe mich über die schlechte Lippensynchronisation in den gescripteten Zwischensequenzen geärgert. Davon ist im Verlauf des Spiels nichts mehr zu sehen. Von Mission zu Mission wird das Spiel stärker. Die Atmosphäre ist einzigartig und die Sprecher haben einen prima Job gemacht.

Wo Licht ist (und bei Alien: Isolation ist sehr viel Licht) gibt es auch ein wenig Schatten. Die KI einiger umher laufenden Zivilisten ist etwas schwach. Ohne Spoilern zu wollen kann ich aber sagen, dass mir die Alien-Queen gefehlt hat. Auch wenn die in der ursprünglichen Kinofassung von 1979 nicht vorkam, so weiß jeder das sie diejenige ist, die die Eier legt. Und wie man weiß ist die Queen ein mächtig großes Vieh was viel Platz benötigt. Sei es auf dem Planeten LV-426 oder an Bord der Raumschiffe. Bei Alien: Isolation haben es die Entwickler damit nicht so ganz genau genommen. Besonders im letzten Abschnitt liegen die Eier in engen Gängen, an denen sich Amanda vorbeizwängen muss. Eine Alien-Queen kann die Eier dort eigentlich nicht abgelegt haben. Vermisst habe ich auch den Ausbruch eines Chestbursters aus dem Brustkorb eines Infizierten. Das sind eigentlich Zutaten die in jeden Film oder Game einen Platz erhalten müssen.

Der Xenomorph selbst ist klasse gelungen. Immer wieder erzeugt er jede Menge Angst und Spannung. Genial ist auch, wenn man sich als Spieler zu lange in einem Spind oder Schrank aufhält, macht das Alien die Faxen nicht mit und öffnet diese nach einiger Zeit. Das Vieh ist schlau und man sollte immer in Bewegung bleiben.

Nach rund 20 Stunden effektiver Spielzeit und einem furiosen Finale konnte ich, mit den Nerven vollkommen am Ende, endlich den Abspann sehen. Es hat sich gelohnt. Als Alienfan der ersten Stunde verneige ich mich voller Demut vor den Entwicklern, es ist mit Abstand das beste Aliengame bisher. Ja, ich liebe das Spiel und ich habe wieder Hoffnung, dass es 20th Century Fox eines Tages gelingen wird, einen perfekten Alienfilm auf die Leinwand zu zaubern. Schade das Alienschöpfer H.R.Giger dieses Spiel nicht mehr erleben durfte.

Wertung: sehr gut

von Bernd Lebe

 

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