I Have No Mouth And I Must Scream

Diesmal diente als Vorlage kein Horrorfilm, sondern ein Psychohorror-Roman gleichen Titels, den der Autor Harlan Ellison in den Spät-60ern geschrieben hat. Das Spiel zum Buch wurde von den eher unbekannten „The Dreamers Guild“ entwickelt (die frech das Auryn-Symbol der „Unendlichen Geschichte“ als Firmenlogo verwendeten) und im Jahr 1995 als astreines Point&Click-Adventure (~ Monkey Island, Maniac Mansion, u.ä.) veröffentlicht.

 

 

 

 

 

Story

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Die Geschichte selbst kann finsterer kaum sein: ein Zentralcomputer namens „AM“ löst ein Inferno aus, das die gesamte Erde verwüstet und jegliches Leben zerstört. Doch da sind noch fünf Überlebende, die der denkende Rechner mit in seine virtuellen Welten genommen hat, um die jämmerlichen Wesen zu seinem Zeitvertreib zu quälen. Knapp über hundert Jahre erleiden die fünf nun schon die Torturen der wildgewordenen Maschine. Jetzt hat sich AM ein ganz besonderes Amüsement ausgedacht. Die fünf werden in von ihm vorgegaukelten Scheinwelten mit ihren größten Ängsten und längst verdrängten Erlebnissen aus ihrem früheren Leben konfrontiert. Wer die Nerven behält, alle Rätsel löst und seine Angst überwindet, der darf der Hölle entkommen und den Rest seines ewigen virtuellen Lebens in einem Bereich des Computers verbringen, der Ruhe und Wohlergehen verspricht…

Gameplay
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Zu Beginn des Spiels könnt ihr gleich bestimmen, welchen der fünf Menschen ihr zuerst in AMs Schauderwelten schickt. Da wären zum Beispiel Gorrister, der sich die Schuld für das tragische Schicksal seiner Frau gibt, Nimdok, den seine Vergangenheit als Assistenzarzt von KZ-Monster Mengele einholt, oder Ellen, die hysterische Anfälle bekommt, wenn sie mit der Farbe Gelb konfrontiert wird. Sobald ihr mit einer Person die Angstvorstellungen in Form von schockierenden Momenten (Gorrister findet Frau und Schwiegermutter am Fleischerhaken des Kühlhauses) und unzähligen Rätseln erfolgreich überlebt habt, ist der nächste an der Reihe. Um das zu schaffen solltet ihr stets ein Auge auf euren Gemütszustand werfen, der Doom-ähnlich in der linken Bildschirmecke in Form eures Gesichtsausdrucks dargestellt wird. Denn nur wenn ihr bei den oft vielfältigen Lösungsmöglichkeiten der Puzzles einen Weg verfolgt, der dem Aufbau eures Selbstbewusstseins dient, habt ihr eine Chance, AMs Hölle zu entkommen!

Fazit
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Ich liebe Adventures der Machart Maniac Mansion. Ich liebe sie jedoch noch mehr, wenn sie NICHT auf Humor setzen, sondern ernsthafter daherkommen. Im Falle von IHNMAIMS (wohl einer der längsten Spieletitel überhaupt ;)) wurde der Witz sogar komplett durch einen ziemlichen schaurigen Gänsehaut-Faktor ausgetauscht. Die Geschichte reisst einen einfach mit, genau wie die Buchvorlage. Man möchte einfach wissen, wie das ganze ausgeht. Kritikpunkte sollten jedoch auch genannt sein, denn der ein oder andere Bug (in Form von krassen Falschangaben in Hinweistexten) oder mäßige Animationen verhindern die Tatsache, dass sich IHNMAIMS qualitativ mit den kultigen „Lucas Arts“-Klassikern messen kann. Aber: Es lässt sich dennoch durchaus gut von A nach Z zocken und macht Spaß – vor allem für Freunde des gewissen Nervenkitzels!

WICHTIGER HINWEIS
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Das Spiel wurde in der deutschen Fassung übelst kastriert, sprich zensiert. Man wird wohl fast erraten können, was passiert ist: der Part des KZ-Assistenzarztes wurde komplett entfernt. So gibt es in der deutschen Version nur 4 von insgesamt 5 spielbaren Charakteren, was die Gesamtspielzeit somit ebenfalls verkürzt. Gar nicht schön.

 

von 'min Bekker

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