Texas Chainsaw Massacre

Zensur: Stolze 40 Jahre hat das Texas Kettensägen Massaker nun schon auf dem Buckel und es ist schon erstaunlich, dass der Film erst seit 2012 ungeschnitten, legal in Deutschland zu haben ist. Eine Zensurgeschichte ohne Gleichen hat Tobe Hooper’s Horrorklassiker hinter sich und spaltete in de 1970ern die Kritiker in zwei Lager. So schreibt die New Yorker Wochenzeitung The Village Voice seiner Zeit „(…)fängt die Sprache und die Struktur von Albträumen mit erstaunlicher Genauigkeit ein“. Das Lexikon des internationalen Films hingegen sieht das völlig anders und bezeichnet den Film als „technisch, wie inhaltlich gleichermaßen niveaulos“.

So hatten auch die deutschen Behörden keine Gnade mit den Blutgericht in Texas (deutscher Titel). Bereits für die Kinoauswertung im Jahre 1978 wurden großflächig gut fünf Minuten an Filmmaterial entfernt und der Original-Soundtrack, der vom Verleiher als „nervtötend“ empfunden wurde, durch einfache Synthesizer-Sounds ersetzt.

1982 wurde der Film dann auch als Kettensägenmassaker für den Videomarkt ausgewertet. Dabei wurde nochmal ordentlich die Schere angesetzt und rund 10 Minuten Material weggeschnitten. Das Ergebnis ist eine Filmfassung, die kaum noch genießbar ist, die Behörden aber nicht davon abhielt, diese Rumpffassung dennoch zunächst zu indizieren und 1985 gar eine Beschlagnahme nach §131 StGB wegen Gewaltverherrlichung anzustrengen. Damit war der legale Weg, den Film ungeschnitten in Deutschland sehen zu können auf lange Zeit versperrt.

Erst 2012 machte sich das Label Turbine daran gegen den Beschlagnahmungsbeschluss Einspruch einzulegen und erwirkte erfolgreich eine Streichung des Klassikers. Der Weg für eine Neuprüfung durch die FSK war nun frei und dort kam man zu dem Schluss, dass der 40 Jahre alte Streifen ungeschnitten ab 18 Jahren freigegeben werden kann. Eine Reihe toller Veröffentlichungen von Turbine waren die Folge. Diese reichen von limitierten 3-Disc-Sets bis zur einfachen Single-BluRay. Dabei wurde das Bild extra neu abgetastet und in hervorragender Qualität neu überarbeitet.

Plakat von "The Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas"

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Sequels und Remakes: Die Fortsetzung aus dem Jahr 1986, ebenfalls von Tobe Hooper und mit Dennis Hopper in der Hauptrolle ist in der Gewaltdarstellung deutlich expilziter und bis heute in Deutschland beschlagnahmt. Teil 3 trägt den Titel Leatherface und wurde gleich gar nicht in Deutschland ausgewertet. Bis heute gibt es keine offizielle, deutsche Fassung des Films. Im vierten Teil der Reihe, der von Kritikern und Fans völlig zerrissen wurde, staunt man heute über die Besetzung. In den Hauptrollen von Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr sind nämlich Matthew McConaughey und Renee Zellweger in einer ihrer ersten, größeren Rollen zu sehen. Damit endete die ursprüngliche Reihe und es folgte ein erfolgreiches Remake im Jahre 2003 von Marcus Nispel mit Jessica Biel in der Hauptrolle. Auch hier gibt es bereits zwei brauchbare Sequels. Derzeit arbeiten die französischen Horrorfilmer Julien Maury und Alexandre Bustillo an einem Prequel namens Leatherface, welches sich wieder mehr am ursprünglichen Film aus dem Jahre 1974 orientieren soll und uns die Vorgeschichte erzählt.

Kritik: Schaut man sich die Geschichte zu Texas Chainsaw Massacre so an, dann ist eines klar: Egal, wie man zu dem Film steht, er hat eine Wirkung auf den Zuschauer. Von der ersten Sekunde an erzeugt das Geschehen eine unglaublich dichte. morbide Atmosphäre, die auch heute ihre Wirkung nicht verfehlt. Natürlich werden jüngere Generationen mit dem angedeuteten Horror nicht so viel anfangen können, ist  man doch von modernen Horrorproduktionen eine viel straightere Inszenierung gewohnt.

Dabei besticht der Film vor allem durch seine rohe Art. Mit manchen Opfern wird sich kaum länger als aufgehalten. Da gibt es aus heiterem Himmel einfach den Hammer auf die Rübe und es verbleibt nur noch ein Nervenzucken im Körper der Opfer. Kultkiller Leatherface behandelt seine Opfer völlig gleichgültig. Er macht dabei keinen Unterschied, ob er nun ein Rind, Schwein oder eben einen Menschen schlachtet. Die sadistische Folterkomponente kommt viel mehr von den übrigen Familienmitgliedern ins Spiel, die schon Spaß daran haben, ihr Opfer über Stunden zu quälen. Dazu ist Leatherface geistig viel zu einfach gestrickt.

Der Einfluss des Films ist so groß, dass er das Genre des Backwoodhorrors quasi aus dem Nichts erfunden hat. Seit her sind kranke, retardierte Hinterwäldler, die arglose Teenies schlachten aus dem Horrorfilm kaum noch wegzudenken. Egal on Wrong Turn, The Hills Have Eyes oder Muttertag. Alle diese Filme, wären so nie entstanden. Somit hat das Kettensägenmassaker seinen Kultstatus völlig zurecht.

Im Gegensatz zu den zahlreichen Nachahmern, spielt der Film allerdings viel subtiler mit den Vorstellungen der Zuschauer und nutzt dazu ein minimalistischen Soundtrack, der sich in das Hirn einbrennt und so schnell nicht mehr zu vergessen ist. Ein in allen Belangen außergewöhnlicher Film.

Wertung: 5 von 5

vom Jörg Großmüller