The Witch

Metadaten
Titel The Witch
Original Titel The Witch
Regisseur Robert Eggers
Laufzeit 1 h 30 min
Zertifikation FSK ab 16
Starttermin 19 Mai 2016

The Witch

The Witch
4

Wertung

4/10

    Pro

    • gute Darsteller
    • gute Ausstattung

    Contra

    • schwaches Drehbuch
    • unfreiwillige Komik
    • flacher Spannungsbogen
    Plakat von "The Witch"

    © 2016 Universal Pictures

    Story: Neuengland im 17. Jahrhundert: Das Ehepaar William und Katherine führt mit seinen fünf Kindern ein tiefreligiöses, christliches Leben am Rande eines unzugänglichen Waldes, der angeblich von einer Hexe heimgesucht wird. Schon bald häufen sich hier die merkwürdigen Vorkommnisse, denn die Tiere drehen durch, die Ernte geht ein und dann verschwindet auch noch der kleine Samuel unter den Augen seiner Schwester Thomasin. Wenig später taucht das Baby zwar wieder auf, scheint aber besessen zu sein. Die Eltern können sich auf die Geschehnisse keinen Reim machen und wissen nicht mit den Vorwürfen der Zwillinge Jonas und Mercy umzugehen, die Thomasin der Hexerei bezichtigen. Liegt auf der Familie ein Fluch oder treibt draußen im Wald eine andere, finstere Macht ihr Unwesen?

    Kritik: Es ist schon manchmal echt auffällig. Ab und an kommen Horrorfilme in die Kinos, die vorab von vielen Printmedien derart hochgelobt werden, dass es einen als Horrorfan richtig unter den Fingern juckt ihn endlich im Kino zu sehen. So ging es mit bei Der Babadook und so ging es mit auch bei The Witch. Beides Mal wurde ich herb enttäuscht.

    The Witch von Robert Eggers ist zunächst einmal der Inbegriff eines sehr ruhigen Horrorfilms. Hier gibt es maximal einen JumpScare und kaum Musik. Hier steht die Geschichte im Vordergrund, die Charaktere. Ein absolut löbliches Unterfangen und ja die Charaktere sind gut ausgearbeitet und ausnahmslos auch toll besetzt und gespielt. Alle agieren zumeist glaubwürdig und man hat wenig Mühe sich in die Charaktere hinein zu versetzen. Soweit so gut.

    Der erste Hexen-Auftritt lässt auch gar nicht lange auf sich warten und ist auch definitiv sehr düster und grausam. Zwar zeigt The Witch die Gewalt nicht direkt, aber wenn man etwas den eigenen Kopf mitarbeiten lässt, erzeugt dieser erste Auftritt durchaus Gänsehaut und ein unwohles Gefühl in der Magengegend. Doch dann kommt der große Bruch.

    Ich habe im Kinosaal nicht auf die Uhr geschaut, aber geschätzt zwischen Minute 15 und 70 passiert so gut wie nichts. Die Familie verzweifelt an ihrer eigenen, religiösen Behaarlichkeit und hadert mit sich selbst viel mehr als mit Gott. Insbesondere die Mutter ist immer mehr der Überzeugung, dass ihr Haus und Hof verflucht sein müsse. Nun ich habe keine Probleme damit, wenn ein Horrorfilm auf leisen Sohlen daher kommt. Ich brauche keinen Terror, Gedärme und fliegende Köpfe um Grusel zu empfinden. Aber was The Witch hier zeigt ist eben lange Zeit weder spannend, noch sonderlich unterhaltsam.

    Das wäre alles noch nicht die ganz große Katastrophe, aber dann vernichtet The Witch im Finale jeden Rest an funktionierenden Filmelementen, in dem er im Finale derart unfreiwillig komisch wird, dass jede Atmosphäre, jeder Anflug von Glaubhaftigkeit und Grusel über die Klinge springt. Nach der intensiven Einführung in die Glaubenswelt der Familie hätte ich deutlich mehr erwartet, als eine Auflösung, die eher an Grimms Märchen als an echten Horror erinnert.

    Randnotitz: Wem der Titel übrigens bekannt vorkommt: In den 1980ern erschien bereits ein Film unter dem Titel The Witch (Superstition), der mit dem Film von Robert Eggers allerdings nichts zu tun hat.

    Fazit: Tja, was soll man sagen. The Witch tut über die gesamte Laufzeit so, als wolle er uns jetzt gleich ziemlich erschrecken und uns Stoff zum Nachdenken liefern. Was dann kommt ist stereotype 08/15-Erklärungen und unfreiwillige Komik. Schade, denn eigentlich stimmt hier zunächst mal ziemlich viel. Die Ausstattung ist toll, die Darsteller wirklich gut und der Anfang ist sehr vielversprechend. Was dann folgt ist ein Muster für ein misslungenes Drehbuch, dass nicht weiß wo es hin möchte und halbgar durch die Laufzeit stolpert. The Witch ist die bisher größte Enttäuschung dieses Jahres.