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German Angst

German Angst

Metadaten
Titel German Angst
Original Titel German Angst
Laufzeit
Zertifikation
Starttermin 26 April 2017

Kritik: Der deutsche Horrorfilm liegt seit Jahrzehnten ziemlich am Boden und doch schaffen es immer mal wieder einzelne, einheimische Genreperlen den Zuschauer zu überzeugen. So zum Beispiel zuletzt Andreas Marschall mit seiner atmosphärische Giallo-Hommage Masks. Neben Independent-Ikone Jörg Buttgereit und dem Experimentalfilmer Michal Kosakowski hat eben jener Andreas Marschall auf eine der drei Episoden für German Angst abgedreht.

Doch der Reihe nach. Den Anfang macht Jörg Buttgereit mit seiner Episode Final Girl, die es in sich hat. Darin erfahren wir nicht nur jede Menge Wissenswertes über die Pflege und Haltung von Meerschweinchen, sondern werden auch Zeuge einer blutigen Folter. Dabei setzt ein junges Mädchen einem gefesselten Mann ganz böse zu. Doch Final Girl ist nicht gewohnte Torture-Porn-Kost. Nein, viel mehr setzt Buttgereit auf dichte Atmosphäre, die sich im Hirn des Zuschauers festsaugt.

Akkustisch brennen sich dabei die typischen Quiek-Laute des Meerschweinchens ein und optisch verwendet Buttgereit eine Unschärfe am äußeren Bildrand, die an die Filme der 1920er erinnert. Final Girl ist ein Genuss und zugleich eine Tortur für die Seele des Zuschauers. Vielleicht der intensivste Horrorbeitrag aus Deutschland seit Ewigkeiten. (Wertung: 4 von 5)

Es folgt Make A Wish von Michal Kosakowski und der reißt offensichtlich mit Genuss alles ein, was die erste Episode aufgebaut hat. Atmosphäre und Intensität werden gegen Laiendarsteller und Billig-Look getauscht. Nicht einmal glaubhafte Uniformen aus dem 2. Weltkrieg hat man hier auftreiben können. Dabei bietet die Episode mit dem Rollentausch  zwischen Opfer und Täter die vielleicht interessanteste Idee aller drei Episoden.

Die Umsetzung ist allerdings ein Witz. Das Nazi-Girlie scheint komplett auf Ecstasy zu sein und nervt dermaßen, dass es kaum auszuhalten ist. Aber auch der Rest labert ausschließlich nervigen Dünnschiss und so bietet die Episode lediglich gegen Ende zwei bis drei optische Grausamkeiten. Ein Griff ins Klo auf ganzer Linie (Wertung: 0,5 von 5)

Den Abschluss macht dann o.g. Andreas Marschall mit seiner Episode Alraune, in der eine pflanzliche Droge die Tore in eine mystische Welt aus Sex und Gewalt eröffnet. Die Episode überzeugt mit großartigen Effekten und überzeugenden Darstellern. Dazu kommt eine unverbrauchte Geschichte, der allerdings eine wenig Dramaturgie und Spannung fehlt. Aber auch hier wird atmosphärisch viel geboten.

Die Idee wäre sicherlich auch ein sehenswerter Langfilm geworden, da in der Geschichte durchaus noch Potenzial steckt um etwas „tiefer“ einzutauchen. Alles in allem liefert Andreas Marschall eine Episode ab, die überzeugt und man die stilistischen Mittel aus seinem Vorgänger Masks durchaus wiederfinden kann. (Wertung: 3,5 von 5)

Fazit: Mit Final Girl legt German Angst einen Auftakt nach Maß hin und Andreas Marschall schließt mit Alraune auch sehenswert ab. Was Michal Kosakowski allerdings mit seiner Episode Make A Wish abliefert spottet jeder Beschreibung. So ist German Angst am Ende vielleicht nicht die Wiederbelebung des deutschen Horrorfilms, aber ein verdammt starkes und unbequemes Stück Underground-Kino.

Wertung: 3,5 von 5

Unsere Kritik zum Mediabook

von Jörg Großmüller

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