Am Sonntag Bist Du Tot

Metadaten
Titel Am Sonntag bist du tot
Original Titel Calvary
Laufzeit 1 h 41 min
Zertifikation 16
Starttermin 24 März 2015

Kritik: Der deutsche Verleih Ascot Elite bewirbt die irische Produktion Am Sonntag Bist Du Tot mit zahlreichen Zitaten aus Presse-Stimmen, die von „schwarze Komödie“ (cinema) oder auch „herbem, schwarzen Humor“ (Tip Berlin) sprechen. Das erweckt schon mal einen komplett falschen Eindruck von dem eigentlichen FIlm. Am Sonntag Bist Du Tot ist intensiv, dramatisch, super gespielt, aber wenn er eines nicht ist, dann eine Komödie….auch keine schwarze.

Bereits der erste Satz des Films „Mit sieben Jahren schluckte ich das erste Mal Samen und wurde fünf Jahre in Mund und Arsch gefickt.“ macht bereits deutlich, dass das hier schon krasser Stoff ist. Dabei geht es vor allem um James Lavelle, einen Priester, der sich einer kaputten Welt und einer genauso kaputten Kirche entgegen stellt. Ein Thema das wohl aktueller kaum sein könnte.

Dabei scheint eigentlich jeder, einzelne Bewohner der kleinen irischen Gemeinde total daneben zu sein. Der schwarze Einwanderer, der Ehefrauen flachlegt und die Ehefrau, die sich flachlegen lässt. Der total perverse Homosexuelle, der für Geld alles macht und die depressive Tochter, die selbst ihren eigenen Suizid in den Sand gesetzt hat. All diese Menschen verurteilt James Lavelle nicht, sondern hat ein offenes Ohr und bietet Hilfe an.

Dabei wird ihm allerdings mehr und mehr klar, wie alleine er in seinem Kampf ist und so erwachen selbst in seiner, gläubigen Seele erste Zweifel an der Welt.

Der Zuschauer muss schon etwas Geduld mitbringen und sich auf die Dialoge einlassen können, denn ein actionreicher Film ist Am Sonntag Bist Du Tot bei Leibe nicht. Dafür aber ziemlich erdrückend und intensiv. Zu jeder Zeit schwebt die Bedrohung durch die Luft und alles scheint auf das unausweichliche Ende durch den Morde an einem unschuldigen Priester hinauszulaufen.

So wird James Lavelle zum Spiegel Jesu, der auf seinem Kreuzweg viele Stationen durchlaufen musste, stets festhaltend an seinem Glauben und stets an das Gute im Menschen glaubend. So überrascht es schon fast, dass der Film am Ende nicht überrascht und seinen erdrückenden, depressiven Grundtenor bis zur letzten Sekunde aufrecht erhält.

Dabei wird der Film getragen durch eine großartige Leistung der Darsteller, allen voran Brendan Gleeson (Raven) und Kelly Reilly (Eden Lake). Das ist schon großes Kino, was die beiden hier als Vater-Tochter-Gespann auf die Leinwand zaubern.

Fazit: Am Ende ist Am Sonntag Bist Du Tot kein unterhaltsamer Film, sondern eine Parabel des Glaubens, eine Kriegserklärung an den Moralverfall der Welt und ein intensives, aber anstrengendes Stück Film geworden, dass vor allem durch seine hervorragenden Darsteller punkten kann. Kein Film für Jedermann.

Wertung: 3,5 von 5

von Jörg Großmüller