Andreas Marschall

Andreas Marschall hat, nach Tears of Kali, mit Masks seinen zweiten Horrostreifen in Spielfilmlänge vorgestellt. Nicht zuletzt eine offensichtliche Hommage an Dario Argento, die uns in unserem Review absolut begeisterte. Grund genug den Mann hinter Masks zum Interview zu bitten.

WatchTheShit: Herr Marschall, sind Sie nervös so kurz vor dem Heimkino-Release von Masks?

Andreas Marschall: Na ja, es geht so. Ich bin mit dem Film schon auf so vielen Festivals gewesen und stand vor Hunderten von Leuten auf der Bühne. Das sind die Momente, bei denen es sich lohnt nervös zu sein.

WTS: Sie verweisen mit Masks klar auf Genregrößen, wie Dario Argento. Was ist Ihr Lieblingsfilm von ihm?

Marschall: Ich glaube Inferno ist mein allerliebster Argento, aber ganz dicht gefolgt von Suspiria und Tenebre.

WTS: Wie und wann entstand denn die Idee zu Masks?

Marschall: Ich habe an der Schauspielschule Reduta, an der später Masks gedreht wurde,  Workshops für Kamera-Acting  gemacht. Zu dieser Zeit scheiterte wieder mal ein größeres, internationales Projekt namens The Face. Ich hatte mit einer Berliner Filmproduktion Jahre lang daran gearbeitet, Co-Produzenten aus Schweden, England und Italien, ein super Drehbuch und namhafte Schauspieler aus aller Welt an Bord als die Deutsche Filmförderung mal wieder„Njet“ sagte. Damit fehlte ein Drittel des gesamten Budgets. Da hatte ich die Nase voll vom Warten. Die Atmosphäre in der Schauspielschule , das Kulissenhafte und die dramatischen Stimmen der Schauspielübungen, die leise durch die Gänge hallten. Und auf der anderen Seite die Hysterie um die Castingshows im Privat-TV, in denen junge Leute sich von vampirhaften Star-Juroren „das Blut aussaugen lassen“. Daraus resultierte die Grundidee von Masks. Ich habe den Film dann mit Privatinvestoren von Anolis und der Schauspielschule Reduta völlig unabhängig von der Filmförderung, unter schwierigsten Umständen, auf die Beine gestellt. Die Unabhängigkeit gab mir aber auch die Möglichkeit diesen Retrostil zu wählen, diese Giallo-Hommage, die ich bei einer größeren Produktion niemals durchgekriegt hätte.

WTS: Gab es Probleme bei der FSK oder ging gleich alles im ersten Anlauf?

Marschall: Nein, der Film ging gleich durch. Anolis sagte mir aber, dass es wohl eine verdammt knappe Entscheidung war. Andererseits ist Masks ja kein reiner Splatterfilm und die Gewalt ist zwar sehr brutal, aber durch die  stilisierte Form  der Wirklichkeit entrückt.  Außerdem wird sie nicht verherrlicht. Wenn jemand umgebracht wird, springt die Kamera immer in die Perspektive des Opfers.

WTS: Haben Sie im Film eine absolute Lieblingsszene?

Marschall: Ja, das Ende.

WTS: War von Anfang an klar, dass Sie in Deutsch drehen werden?

Marschall: Ja, ein großer Teil der jüngeren Rollen wurden mit Schülern der Schauspielschule besetzt. Das war die Grundbedingung dafür, dass wir dort drehen durften. Wenn man englisch drehen will, muss man zumindest den Hauptcast mit Engländern oder Amerikanern besetzen, sonst wird´s peinlich.  Oder der Held kommt aus Amerika und kann sich nur auf Englisch verständigen, wie das in den meisten europäischen Genrefilmen der 60er und 70er gemacht wurde. Aber das wäre bei Masks unsinnig gewesen.

WTS: Was war mit die schwierigste Szene?

Marschall: Natürlich sind die schwierigsten Szenen immer die Morde, die aus sehr vielen kleinen Detailaufnahmen bestehen. Bei einem Film dieser Größenordnung hat man nicht mehrere Tage Zeit für einen Mord, sondern das Pensum muss in wenigen Stunden geschafft werden. Dabei kämpft man nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegen die Tatsache, dass die Make-Up-Effekte immer kompliziert sind. Für jeden neuen Versuch müssen die künstlichen Gesichtsteile neu angeschminkt und Blutschläuche arrangiert werden. Sehr komplex war der Stich in die Backe des Journalisten, für den der gesamte Mundbereich mit Zunge und Zähnen lebensecht nachgebaut wurde. Das Blut läuft nie so, wie man es eigentlich will. Es ist wirklich Nervensache. Zum Glück hatte ich mit Inga Ross ein Team von sehr professionellen und einfallsreichen Spezialisten, die  die Gore-Effekte gut im Griff hatten. Ich wollte nicht dieses blöde Computerblut, das einen meistens seltsam unberührt lässt, sondern echte physische Effekte vor der Kamera.

WTS: Aktuell mehren sich in den Kinos die Remakes bekannter Stoffe. Würde es Sie reizen ein Remake zu drehen und wenn ja zu welchem Titel?

Marschall: Ja, zu Jeff Liebermann´s Blue Sunshine, in dem eine halluzinogene Droge aus der Hippiezeit zu schrecklichen Spätfolgen führt. Die Leute, die Blue Sunshine damals eingebaut haben, sind inzwischen respektable Mitglieder der Gesellschaft und werden urplötzlich zu Amokläufern. Ein sehr unheimlicher Film aus den Siebzigern. Der Stoff ist wie für mich gemacht.  Aber ich bin zu spät, die Amerikaner sind leider, leider  schon dran.

WTS: Was denken Sie über den Deutschen Film ganz allgemein?

Marschall: Puuuh. Fangen wir mit dem Positiven an: Ich liebe den Film der zwanziger, dreißiger Jahre. Nosferatu hat mich als Kind tief geschockt und beeindruckt. Ich mochte die Filme der Edgar Wallace –Reihe und so einige Filme von Alfred Vohrer und Wolfgang Staudte. „Es geschah am helllichten Tag“ mit Heinz Rühmann ist einer der besten Serienkiller-Filme aller Zeiten. Aber der „neue deutsche  Autorenfilm“ war mir immer ein Graus. Und mit den heute üblichen sozialrealistischen Hartz IV-Betroffenheits-Dramen , die völlig  am Publikum vorbei gedreht werden, kann ich null anfangen.  Immerhin gibt es Einzelkämpfer wie Dominik Graf, die immer wieder gute Genrefilme liefern. Ausserdem entsteht eine neue Generation von Filmemachern, die sich von den Fördergremien unabhängig machen und dabei immerhin so tolle Filme wie Urban Explorer oder Die Farbe realisiert haben.

WTS: Gibt es konkrete Pläne, was Sie als nächstes machen wollen? Bleiben Sie dem Horror treu?

Marschall: Ich habe diverse Projekte in den Größenordnungen S, M und L und weiß noch nicht welches ich am schnellsten auf die Beine stellen kann. Es gibt eine mögliche Co-Produktion mit Italien, aber auch drei rein deutsche Projekte. Alle Stoffe sind Horrorfilme oder Thriller. Ich mag die düstere Seite der Unterhaltung.

WTS: Wir danken für Ihre Zeit und das Gespräch.

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