Jack Ketchum

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Spätestens seit den Verfilmungen von Evil – The Girl Next Door und The Woman ist der amerikanische Autor Jack Ketchum Horrorfans auf der ganzen Welt ein Begriff. Seit kurzem feierte sein Buch Lebendig seine Premiere in Deutschland. Grund genug uns mit Jack Ketchum zu unterhalten.

WatchTheShit: Jack, Stephen King sagte du seist „vielleicht der gruseligste Kerl Amerikas“. Wie fühlt sich das an?

Jack Ketchum: Ich musste grinsen als ich davon hörte und habe mich per Email bei ihm dafür bedankt. Zu der Zeit fand ich allerdings, dass George W. Bush der gruseligste Mann in Amerika war.

WTS: Dein Buch Evil erschien in Deutschland zum ersten Mal 2006 und ist in Europa wohl dein bekanntestes Werk. Wie viel von Jack Ketchum’s Kindheit steckt in David Moran (Hauptcharakter in Evil) und wie viel deiner persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse stecken generell in deinen Geschichten?

Jack Ketchum: Es ist unmöglich einen Charakter zu erschaffen, der nicht auf eine grundlegende Art und Weise du selbst ist. Sehr viel aus Jack’s Jugend steckt in David’s, ohne Frage. Ärger zu Hause, die Verlockungen und gleichzeitige Angst vor Sex, eine Sehnsucht nach Liebe. Evil spielte in meiner Heimatstadt, die Sackgasse war meine Straße. Ich schrieb das Buch kurz nach dem Tod meiner Mutter. Ich kümmerte mich um all die Angelegenheiten, verkaufte das Haus in dem ich aufgewachsen bin und Freunde und Verwandte durchsuchten das Haus nach alle möglichen Sachen. Alles erinnerte mich dort an meine Kindheit und Pubertät. Dieses Buch zu schreiben fühlte sich für mich an wie ein Memory-Spiel. Keine Recherche. Es war alles da oben in meinem Kopf. Ich vermischte es nur mit diesem abscheulichen und tatsächlich geschehenem Verbrechen.

WTS: Diese Jahr erschien deine Geschichte Lebendig (Original: Right to Life) in Deutschland und erneut ist die Hauptfigur eine missbrauchte und gefolterte Frau, die ihren Peinigern hilflos gegenüber steht. Ein wiederkehrendes Motiv, das an Evil und The Woman erinnert. Steckt darin eine spezielle Symbolik?

Jack Ketchum: Meine Heldin in Right to Life ist missbraucht und gefoltert, ja. Wirklich hilflos ist sie jedoch nicht. Tatsächlich findet sie einen Weg zu überleben und überrascht sich damit selbst. Sie findet eine innere Stärke, die sie selbst nicht erahnt hätte. Meine Geschichten handeln oft von Selbstkompetenz, von einem Weg sich selbst zu verändern und zu einer erweiterten Selbstbestimmung zu führen. Auch Meg, das Opfer aus Evil, in dem sie Verantwortung für ihre Schwester übernimmt, sie schützt in dem sie selbst die Qualen schweigend zu ertragen versucht und ihrem eigenem Schicksal mit erhobenem Haupt entgegentritt.

WTS: Wie ist das, wenn die eigene Geschichte verfilmt wird? Hast du immer Einfluss auf den Film und wie die Dinge dort umgesetzt werden?

Jack Ketchum: Ich konnte immer meinen Teil dazu beitragen. Bei Beutegier war ich nur einen Tag am Set, hingegen bei The Woman war ich die ganze Zeit vor Ort. Chris Sivertson ging für The Lost drei unterschiedliche Skripte mit mir durch und wir hatten am Ende eine tolle Zusammenarbeit als die fertige Schnittfassung erstellt wurde. Er hat auch für jeden in der Crew das Buch gekauft, so dass jeder Einzelne wusste, um was es geht. Eine gute Idee, wie ich finde. Ich liebe es zu sehen, wie talentierte Leute ihre verschiedenen Fähigkeiten einbringen und mein erdachtes Baby beeinflussen, es zum Leben erwecken. Ich bin glücklich darüber, dass alle Produktionen – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – den Charakteren und Ideen der jeweiligen Geschichte gerecht wurden.

WTS: Du bist auch großer Fan von Horrorfilmen. Welcher Film hat dich so richtig erschreckt?

Jack Ketchum: Als ich ein Kind war auf jeden Fall die Anfangsszene von Die Mumie, wenn Karloff langsam erwacht. Später dann The Texas Chainsaw Massacre, den ich völlig unvorbereitet sah und keine Ahnung hatte in was für einem Film ich mich zur Hölle da befand.

WTS: Manche Autoren, insbesondere Edward Lee, haben einige Probleme mit deutscher Zensur. Die meisten seiner Bücher sind im offiziellen Buchhandel nicht erhältlich, da das deutsche Gesetz mit Indizierungen droht. Was denkst du über Zensur hinsichtlich Gewaltdarstellungen? Oder wieviel Gewalt erlaubt die Kunstfreiheit?

Jack Ketchum: Lee hat mir von diesen Problemen erzählt. Es ist bedauerlich. Ich denke, seine Arbeit umfasst wesentlich mehr als nur Gewalt. Ich glaube nicht an Zensur jeglicher Art. In Deutschland zensiert ihr Gewalt, wir hier in Amerika Sex. Beides ist lächerlich. Beides gehört zum Leben und es gibt keinen Grund es nicht zu zeigen. Ich erinnere mich an die alten Cowboy-Filme. Da fassten sich die Darsteller immer ans Herz, wenn sie erschossen wurden und fielen dann völlig blutlos zu Boden. Das schadet doch viel mehr, als wenn zum Beispiel in einem Sam Peckinpah-Film das Blut durch die Gegend spritzt. Es gibt uns eine falsche Sicht auf den Schmerz und das Sterben, Dinge die dich direkt treffen. Mein Vater war im Zweiten Weltkrieg und lachte immer kopfschüttelnd über so einen blöden Mist.

WTS: Lass uns zum Schluss noch über die Zukunft sprechen. Was sind deine Pläne? Irgendwelche Filme oder Geschichten an denen du derzeit arbeitest?

Jack Ketchum: Ich arbeite derzeit erneut mit Lucky McKee, mit dem ich schon The Woman umgesetzt habe, an einem neuen Buch-Film-Projekt. Es handelt von Familien, Ruhm und Geistern.

WTS: Danke für deine Zeit und wir hoffen wir sehen dich mal auf einer Horror-Convention in Deutschland.

Jack Ketchum: Danke für deine Fragen und ja, das hoffe ich auch.

Das Interview führte Jörg Großmüller

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