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Review: ACROSS THE RIVER

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Across The River (Italien 2013)

Originaltitel: Oltre Il Guado

Regie: Lorenzo Bianchini

Mit: Marco Marchese, Renzo Gariup

Freigabe: ab 16 / ungekürzt

Release: 18. Juli 2014

StoryDer Verhaltensforscher Marco Contrada arbeitet in einer abgelegenen Waldregion an der Grenze von Italien und Slowenien. Mit Hilfe von im Wald aufgestellten Kameras beobachtet er Tiere aus der Entfernung von seinem Monitor aus, um ihr Verhalten zu studieren. Diese Aufnahmen sind es schließlich, die den Ethnologen in ein einsames Dorf führen. Obwohl er nicht vorhatte, lange zu bleiben, schneiden ihm starke Regenfälle kurz nach seiner Ankunft die einzige Rückzugs-Route ab. Derart gefangen muss er bald aus erster Hand erfahren, dass an den Legenden um einen uralten Fluch, der angeblich auf der Ortschaft liegt, vielleicht doch etwas dran ist. 

Kritik: Der Horrorfilm als solches hat sich verändert…immer schon und so ist er in den letzten 20 Jahren vor allem eines geworden: schnell und laut. Subtiler Aufbau einer bedrohlichen Atmosphäre ist selten geworden….sehr selten. Da kommt das italienische Genre-Kino gerade recht, hat es doch jeher mit Künstlern, wie Dario Argento Bilder von Horrorfilmen kreiert, die ihresgleichen suchen. Hier liegen auch die Vorbilder des Regisseurs Lorenzo Bianchini, der sich mit Across The River ganz tief vor solchen Größen verneigt.

Nein, Across The River ist kein bluttriefender Giallo und doch wohnt im eine Menge typisch italienischer Horror-DNA inne. In düsteren, fast farblosen Bildern wird eine Geistergeschichte erzählt, die den interessierten Zuschauer tief in seinen Bann zu ziehen vermag. Das funktioniert allerdings nur, wenn man sich auf den sehr ruhigen Ton des Films einlassen kann, was den Fans des modernen Horrorfilms sicherlich schwer fallen dürfte.

Das heutige Gruselkino mit Filmen, wie Insidious oder The Conjuring ist ein Schnellzug im Vergleich zum Erzähltempo dieses Stückchens Indie-Kino. Ob man sich einen Gefallen getan hat, auf der deutschen DVD vom „italienischen Evil Dead“ zu sprechen, ist mehr als fraglich, denn mit jenem Splatterfilm hat das hier absolut gar nichts gemeinsam. Viel mehr ist er beinahe der krasse Gegenentwurf zum effektvollen Schockerkino.

Dabei zeigt Across The River recht eindrucksvoll, wie wirkungsvoll man Elemente des Found-Footage-Horrors in eine „normale“ Erzählweise einbetten kann, ohne das billige Paranormal Activity-Geklone weiter zu treiben. Leider schafft es Across The River dann nicht ein wirklich überzeugendes Ende zu liefern, da doch sehr viel offen bleibt. Dafür entschädigt ein wirklich guter Horror-Soundtrack, der ebenso rar geworden ist, wie die Machart selbst.

Fazit: Es ist nicht übertrieben, wenn man Across The River als außergewöhnlich bezeichnet, denn diese Art Horrorfilm ist eigentlich so gut wie ausgestorben. So kommt es wohl auch so, dass die Mehrheit des interessierten Genre-Publikums nur sehr wenig Gefallen an diesem Streifen finden wird. Zu ruhig, zu hypnotisch ist seine Gangart. Wer aber einfach mal wieder die Kraft der Bilder und eine düster-hypnotisches Geistergeschichte sehen will, ohne alle drei Minuten mit JumpScares aus dem Sessel gejagt zu werden, dem sei das hier wärmstens empfohlen. Across The River ist Horrorkino, wie es in Hollywood undenkbar ist.

Wertung: 7,0/10

von Jörg Großmüller

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