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Review: BESESSEN – DER TEUFEL IN MIR

Besessen (Kanada 2012)

Originaltitel: Devil Seed

Regie: Greg A. Sager

Mit: Vanessa Broze, Michelle Argyris, Kevin Jake Walker, Shantelle Canzanese

Freigabe: ab 16 / ungekürzt

Freigabe-Details: Grusel(ja); Gewalt (ja); Sex(ja); Schimpfwörter(ja); Drogen(nein)

Release: 02. Mai 2013

Story: Alexandra kehrt gerade aus den Sommerferien zurück und wohnt wieder mit ihren Freundinnen Jessica und Bree zusammen in einer WG. Nachdem sie eine wilde Party gefeiert haben, lässt sich Alexandra dazu überreden, sich die Zukunft vorhersagen zu lassen. Doch was die Hellseherin sieht ist alles andere als gut. Plötzlich ist nichts mehr, wie es scheint. Alexandra hört komische Geräusche, halluziniert und bekommt ohne äußere Einwirkungen Kratzspuren an ihrem Körper. Sie forscht nach und ist davon überzeugt, dass ein Dämon von ihr Besitz ergriffen hat.

Kritik: Wenn ein Genre in den letzten Jahren ausreichend bedient wurde, dann sicherlich das Exorzismus-Genre. Leider ist dieses Untergenre aber auch, selbst für Horror-Verhältnisse, unglaublich wenig weiterentwickelt worden, seit mit Der Exorzist 1973 der Urvater des Genres in die Kinos kam. Besessen ist somit ein weiterer Anlauf, der allerdings wirklich einige Dinge variiert und somit zumindest eine gewisse Eigenständigkeit erreicht.

Selbstverständlich werden, nach dem alle Charaktere eingeführt wurden, auch hier erst einmal die üblichen Klischees abgefrühstückt. Dazu gehören befremdlich verdrehte Gliedmaßen genauso, wie unkontrolliertes Abgeben von Urin. Allerdings erzählt Besessen seine Geschichte deutlich atmosphärischer als die meisten Genre-Vertreter. Zahlreiche Elemente des klassischen Gruselfilms fließen hier in das Drehbuch mit ein und erzeugen stellenweise wohlige Gänsehaut.

Dieses Konzept würde allerdings deutlich besser funktionieren, wenn die Schauspieler nicht  absolut austauschbare Model-Gesichter wären, die beim Zuschauer kaum Sympathien oder andere Emotionen erzeugen. In der deutschen Fassung kommt die relativ schwache Synchronisation oben drauf, die besonders im späteren Filmverlauf starke Patzer hat. Was in der Originalfassung nach einer echt gruseligen Dämonenstimme klingt, verkommt in der deutschen Sprachfassung zu einer unfreiwillig komischen Stimmenverzerrer-Orgie, die viel Atmosphäre erstickt.

Was in den ersten 60 Minuten von Besessen noch ambitionierter Dämonen-Grusel darstellt, verändert sich im Finale immer mehr zu actionreichem Horror. Zwar kann auch dieser Part für sich überzeugen, so richtig harmonieren wollen die beiden Film-Anteile jedoch nicht. Glücklicherweise verschont uns das Drehbuch mit albernen Logiklöchern, lässt aber ein großes Loch rund um den Charakter des Exorzisten. Dessen Story, die im Intro kurz angeschnitten wird, kommt viel zu kurz und somit blass.

Es sei noch angemerkt, dass zumindest in unserer Rezensions-DVD ein paar Fehler auftraten. So wurde, trotz abgeschalteter Untertitel, ab und an „Paulies Zimmer“ als Untertitel eingeblendet. Im ganzen Film gibt es niemanden der Paulie oder ähnlich heisst.

Fazit: Dämonen wo man hin schaut…Exorzisten-Filme überfluten die DVD-Regale und nur sehr selten kommt dabei brauchbare Unterhaltung herum. Besessen ist hier eine angenehme Ausnahme. Zwar ist auch nicht alles Gold was glänzt, aber zumindest die Atmosphäre, insbesondere in der Mitte des Films, kann überzeugen. Leider ist die deutsche Fassung etwas schwach synchronisiert, was wir aber dem Film nicht zur Last legen (wollen/dürfen/können). Der plötzliche Tempowechsel im Finale hin zu actionreichem Horror ist ungewohnt, aber angenehm unverbraucht im Exorzismus-Genre. Somit sicher einer der besten Genre-Vertreter der letzten Jahre.

Wertung: 7,0/10

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